Gesunder Schlaf - ungesunder Schlaf
Parasomnien
Im Falle einer länger als einen Monat bestehenden Insomnie, die den Betroffenen in seiner Tagesbefindlichkeit schwer beeinträchtigt, wird empfohlen, einen Arzt aufzusuchen, um einer Verselbständigung des Symptoms Schlafstörung vorzubeugen.
Sollte sich die Schlafstörung in absehbarer Zeit trotz eingeleiteter Interventionen nicht wesentlich bessern, so wird der konsultierte Arzt den Patienten an ein schlafmedizinisches Zentrum weiterleiten, in welchem speziell ausgebildete Mediziner, Biologen und Psychologen bei der Behandlung eng zusammenarbeiten.
Abbildung 1: Zeichnung eines Alptraums mit Lösung (Junge, 5 Jahre alt) Herzlichen Dank!
Jeder kennt diese teilweise spektakuläre Form der Schlafstörung:
in den Traumphasen bewegen sich die Menschen, gehen umher oder verhalten sich teilweise wie im Wachzustand indem sie die Wohnung putzen oder sonstige Tätigkeiten ausführen.
Das berühmte auf dem Dach umher stolzieren... kann dabei durchaus auftreten, wenn es auch nicht an der Tagesordnung ist.
Während solcher Handlungen sollten die Träumer jedoch nicht geweckt werden! Erwachen sie nämlich in einer solchen Situation, kann demjenigen schnell die gefährliche Situation in der er sich befindet bewusst werden und es kann zu Fehlreaktionen führen!
Behandlung von Alpträumen, Parasomnien
Michael Schredl Schlaflabor, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim
Dr. phil., Dipl. Psych., Dipl. Ing. Michael Schredl
Schlaflabor
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
Postfach 12 21 20
68072 Mannheim
Fax: 0621/23429
E-Mail: Schredl@as200.zi-mannheim.de
Einleitung
Zu den wichtigsten Parasomnien zählen Alpträume, Schlafwandeln, Pavor nocturnus, Bruxismus, Sprechen im Schlaf und Enuresis. Der vorliegende Artikel bezieht sich auf die Behandlung von Alpträumen. Beim nächtlichen Erwachen mit Angst werden im wesentlichen drei Phänomene unterschieden (siehe Tabelle 1). Alpträume in der Kindheit sind ein häufiges Phänomen; so berichten über 70 % aller Erwachsenen, in ihrer Kindheit gelegentlich Alpträume erlebt zu haben. Genaue Prävalenzzahlen, wieviele Kinder unter Alpträumen leiden liegen bis heute kaum vor, Schätzungen liegen bei etwa 5 %. Die häufigsten Themen von Alpträumen bei Kindern und Jugendlichen sind Verfolgung (50 %), Angst um nahestehende Personen (20 %), Fallen (10 %), Krieg/Katastrophen (10 %) und Prüfungen (< 5 %).
Ätiologie von Alpträumen
Die bisher untersuchten Faktoren lassen sich im wesentlichen in drei Gruppen einteilen: Disposition/Persönlichkeit, situative Faktoren und Traumata. Auf der einen Seite belegen Studien, dass genetische Faktoren und die Ausprägung auf Persönlichkeitsdimension „Dünne vs. dicke Grenzen“ eine Rolle spielen, und auf der anderen Seite zeigte sich ein deutlicher Einfluss von Stress (Familie, Schule) auf die Auftretenshäufigkeit von Alpträumen. Schwerwiegende Traumata, z. B. sexueller Missbrauch, Kriegserlebnisse, Naturkatastrophen, könnten zu wiederkehrenden Alpträumen führen, auch wenn sich nicht das Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung ausbildet. Bei Kindern scheinen posttraumatische Wiederholungen eher selten aufzutreten; sie reagieren auf Traumata u. a. mit Alpträumen und Pavor nocturnus. Trotz dieser Forschungsergebnisse bleibt die Ätiologie der Alpträume weitgehend unbekannt; ein allgemeines Veranlagungs-Stress-Modell wie es für viele psychischen Störungen formuliert werden kann, bietet sich hier an. In ähnlicher Weise gilt dies auch für die meisten anderen Parasomnien.
Therapie von Alpträumen
Wann sollten Alpträume behandelt werden? Im Vordergrund steht natürlich die subjektive Belastung des Kindes. Wenn das Kind Angst vor dem Einschlafen entwickelt, ist dies meist als ein Kennzeichen für eine hohe Belastung zu werten. Zunächst sind einige Bemerkungen zum Umgang mit Alpträumen in der Nacht wichtig. Die Eltern (oder ein Elternteil) sollten das Kind trösten und beruhigen. Etwas Vorsicht ist geboten bei der Formulierung ‘Es war ja nur ein Traum’, da jüngere Kinder das Verständnis, dass ein Traum ein subjektives Geschehen ist, das während des Schlafs auftritt, noch nicht vollständig entwickelt haben und den erlebten Traum für real halten. Für die Praxis bedeutet das, dass Eltern mit dem Kind die Ängste überprüfen sollten, wenn das Kind z. B. die Angst äussert, dass etwas unter dem Bett sitzt. Da Angst am Einschlafen hindert, ist es sinnvoll, so lange beim Kind zu bleiben, bis sich die Angst gelegt hat. Ob das Kind im eigenen Bett oder im Bett der Eltern weiterschlafen soll, ist eine offene Frage und kann individuell geregelt werden.
Wie für Angststörungen des Wachzustandes, z. B. Phobien, ist die Auseinandersetzung mit der Angst ein wesentlicher therapeutischer Faktor. Die Arbeitsgruppe um Barry Krakow konnte durch kontrollierte Studien mit erwachsenen Personen die therapeutische Wirksamkeit des folgenden, einfachen Verfahrens. Die Person wird gebeten, einen Alptraum niederzuschreiben und im Anschluss daran, sich einen Schluss vorzustellen, der ihr angenehm ist. Dieser neue ‘Alptraum’ soll in der Vorstellung über die nächsten zwei Wochen einmal pro Tag eingeübt werden. Das Wirkprinzip besteht so neben der Konfrontation aus dem Erlernen einer Bewältigungsstrategie, die ebenso phantastisch sein kann wie der Alptraum selbst. Im Rahmen einer Pilotstudie wurde die Methode an die kindlichen Besonderheiten angepasst; statt des Erzählens wurde das Zeichnen des Alptraums und dessen Veränderung gewählt. Das folgende Beispiel soll die Methode anschaulich aufzeigen.
Fallbeispiel
Der Junge, F. (5 Jahre alt), litt bei der Vorstellung seit über einem Monat an tägliche Alpträumen. Davor sind Alpträume nur vereinzelt aufgetreten. Häufige Themen sind Gespenster, Schatten und schreckliche Monster. Er ruft nachts nach der Mutter und liegt manchmal ein bis zwei Stunden wach und kann nicht wieder einschlafen. Nach Aussage der Mutter sind ihr keine auslösenden Faktoren für die Alpträume bekannt. F. ist eher etwas ängstlich; eine somatische Erkrankung oder psychopathologische Auffälligkeiten lagen nicht vor. Nach der Aufnahme der anamnestischen Daten malte F. ein Bild mit zwei grossen Gespenstern (siehe Abbildung 1). Er selbst steht auf einer Burg, in der der Alptraum spielte. Nach der Frage, was ihm helfen könnte, weniger Angst zu haben, malte er eine Spinne zwischen sich und die Gespenster, die ihn verteidigt. Mit der Mutter fertigte er Zuhause noch einige Zeichnungen an und beschäftigte sich unter Anleitung einmal am Tag mit einer dieser Zeichnungen. Nach Aussage der Mutter veränderten sich die Alpträume innerhalb der nächsten zwei Wochen stark. Obwohl die Themen der Träume sich kaum unterschieden, verlor sich der bedrohliche Charakter der Traumbilder. Der Schlaf normalisierte sich. In der Nachbefragung ein Jahr später zeigte sich, dass F. circa einmal pro Monat einen Alptraum hat, der ihn nicht sonderlich belastet Für einige dieser Träume hat er selbst Lösungen gefunden (z. B. die Anwendung eines Zaubersprays). Inzwischen besteht er darauf, dass seine Träume ab und zu von der Mutter in das Traumbuch, das die Mutter in der Studienphase geführt hat, eingetragen werden.
Schlussbemerkung
Die vorgestellte Methode zeigte eine sehr gute Wirksamkeit, allerdings stehen umfangreichere Studienergebnisse noch aus. Behandlungsansätze für anderen Parasomnien, die auf eine Stressreduktion abzielen sollten, wurden bisher ebenfalls kaum in der Praxis angewendet, so dass sich hier vielversprechende Forschungsfelder auftun.
Tabelle 1: Unterschiedliche Formen des nächtlichen Erwachens mit Angst
Alpträume |
Pavor nocturnus |
Posttraumatische |
|
Aufwach- zeitpunkt |
vorwiegend zweite Nachthälfte |
vorwiegend erste Nachthälfte |
sowohl als auch |
Schlafstadium |
REM-Schlaf |
Tiefschlaf |
REM-Schlaf oder normaler Schlaf |
physiologische Angstreaktion |
moderat |
sehr stark |
stark bis sehr stark |
Trauminhalt |
detaillierter Traum |
fast kein Inhalt, ev. ein bedrohliches Bild |
relativ direkte Wiederholung der erlebten Situation |
Orientierung nach Erwachen |
häufig voll orientiert, auch wennTraumangst bleibt |
kaum orientiert, nicht ansprechbar |
häufig voll orientiert, auch wenn Traumangst bleibt |
Erinnerung am Morgen |
Inhalte werden gut erinnert |
keine Erinnerung an den nächtlichen Vorfall |
Inhalte werden gut erinnert |
Häufigstes Auftreten im Alter von |
6 bis 10 Jahren |
3 bis 7 Jahren |
ereignisabhängig |
Bundesverband Schlafapnoe Deutschland BSD e.V. www.schlafstoerungen-online.de

